Altenburgs Kleingärtner besuchen ZDF-Moderator Claus Kleber in Mainz

Altenburgs Kleingärtner besuchen ZDF-Moderator Claus Kleber in Mainz
Altenburgs Kleingärtner besuchen ZDF-Moderator Claus Kleber in Mainz

Die Geschichte sorgte nicht nur deutschlandweit für Wirbel: ZDF-Moderator Claus Kleber meinte in einer Sendung des „heute-journals“, in Altenburger Kleingartensparten fänden sich ebenso viele Reichskriegsflaggen, wie bundesdeutsche Fahnen. Die Kleingärtner fühlten sich herabgewürdigt. Am Freitag kam es nun in Mainz zum „Krisengipfel“.

Altenburg/Mainz. „Ich glaube schon, der Herr Kleber war von uns etwas überrascht“, sagt Wolfgang Preuß im tiefsten Brustton der Überzeugung. „Und er hatte sicher auch unterschätzt, welche politische Brisanz vor allem im ostdeutschen Kleingartenwesen liegt“, schiebt der 72-jährige Chef des hiesigen Regionalverbandes der Kleingärtner nach.

Am Freitag in aller Frühe startete die vierköpfige Delegation mit Preuß, Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) und den beiden Spartenchefs Dieter Seifert (Bauhof I) sowie Klaus Engelmann (Glück Auf) sowie einigen Ehegattinnen auf die circa 400 Kilometer lange Reise von Altenburg nach Mainz. Noch während der fast fünfstündigen Tour gibt Preuß nochmals die Marschroute für das bevorstehende Gespräch mit dem ZDF-Moderator Claus Kleber aus: „Wir wollen nicht alte Geschichten wieder aufwärmen, sondern die Chance nutzen, unser Kleingartenwesen und vor allem die soziale Bedeutung dem Herrn Kleber vorzustellen“, sagt er. Ergo: Man wolle keineswegs über den im Februar von Kleber in einer seiner Sendungen gefallenen Satz, in dem den Altenburger Kleingärtnern sinngemäß unterstellt wird, sie würden so viele Reichskriegsflaggen wie Bundesfahnen in ihren Parzellen hissen, nochmals sezieren und zu widerlegen zu versuchen. „Das liegt hinter uns und ist ebenso Geschichte, wie die daraufhin von mir gestellte Strafanzeige“, so der promovierte Wirtschaftspädagoge.

Die Runde kommt pünktlich in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt und dem dortigen Lerchenberg an. Aufregung? „Überhaupt nicht. Eher eine gewisse Vorfreude. Wir haben uns ja auch gut vorbereitet“, sagt Klaus Engelmann. Vor allem der Verbandschef und OB Wolf, letzterer als normales Vorstandsmitglied im Vorstand der Kleingärtner gar formal ein Weisungsempfänger von Wolfgang Preuß, führen hauptsächlich das Wort, als Claus Kleber nach vorbereitendem Imagefilm über das ZDF pünktlich zum Gespräch erscheint. „Wahrscheinlich hatte Kleber gedacht, dass wir nur gekommen war, um nochmals so richtig Dampf abzulassen. Dann war er doch ein wenig überrascht, als davon überhaupt nichts von uns kam, sondern wir versucht haben, ihm die Bedeutung des Kleingartenwesens hier im Osten etwas näher zu bringen“, erinnert sich Wolf an das gut 45-minütige Gespräch, das „in einer sehr freundlichen und interessierten Atmosphäre stattfand“.

Und die Altenburger klärten da offensichtlich stellvertretend in Mainz für das gesamte Kleingartenwesen im Osten und dessen immensen sozialen Bedeutung auf. Und brachen dafür eine Lanze, die bei dem ZDF-Moderator Spuren hinterließ.

Nochmals Michael Wolf: „Herrn Kleber ist aufgrund unserer Ausführungen wohl richtig klar geworden, welchen sozial gewichtigen Kitt die Kleingärten im Miteinander von Menschen der unterschiedlichsten Schichten und Herkünfte hat. Dass wir dann als Stadt Altenburg auch noch unsere gemeinsamen Anstrengungen für eine zeitgemäße Ausrichtung näher vorstellen konnten, rundete die ganze Sache noch ab.“

Ob das ZDF und Claus Kleber dort voran nun die Stadt Altenburg und auch das hier in über 60 Sparten sehr ausgeprägte Kleingartenwesen etwas differenzierter sehen, glaubt die Runde einhellig. „Wenngleich natürlich niemand sagen kann, ob es nun daraus mehr Stippvisiten und Berichte des Senders über die Stadt geben wird“, meint Wolf.

Aber dass das Zweite durchaus sehr gut weiß, wo Altenburg im östlichsten Zipfel Thüringens liegt, kann Dieter Seifert, der Chef der Bundessiegersparte Bauhof I, nur bestätigen: „Das habe ich auch Herrn Kleber erzählt, dass sein Sender fünfmal schon aus unserer Anlage berichtet hat. Da war er ein wenig überrascht, hat sich aber gefreut.“

Was nun konkret hängen bleibt von dieser Mission „Zipfelmütze ab“, wie einer der Teilnehmer dieses Treffen benannte, nachdem Preuß betont hatte, man wolle Kleber zeigen, dass Kleingärtner beileibe keine bräsigen Zipfelmützenträger sind.

Das schien auf jeden Fall gelungen zu sein: „Kleber habe bei dem Gespräch sehr, sehr nachdenklich gewirkt. Und das komme nicht häufig vor, hat mir beim anschließenden Rundgang durch den Sender eine Mitarbeiterin verraten“, so Preuß. Er sieht in dem Treffen auf jeden Fall nur einen Auftakt. „In zehn Tagen werde ich ihm einen persönlichen Brief schreiben und Vorschläge unterbreiten, auf welche Art man in Kontakt bleiben könnte“, sagt Preuß.

Erinnerungen an Altenburg wird Claus Kleber noch einige haben oder bekommen: Vom OB erhielt er einen Karton mit typisch Altenburger Spezialitäten und Glück-Auf-Chef Klaus Engelmann wird ihm bald ein Briefchen mit echtem Altenburger Safran schicken. Dass der bei Altenburger Laubenpiepern in einem Projekt angebaut wird, habe auch für helles Erstaunen gesorgt.

Von Jörg Wolf – Artikel erschien in der OVZ am 28.10.2017