Von den Wurzeln bis zur Wiedergründung des Landesverbandes 1990

Erste Gärten auf gemeinsamen Gelände sind aus Weimar bekannt. Bereits am 18.08.1787 erwähnte Friedrich Schiller in einem Brief an Appellationsrat Körner in Dresden, der Vater des Dichters Theodor Körner, dass in Weimar eine Gartenanlage errichtet und unter 75 Pächtern aufgeteilt wurde. Diesen Zeitpunkt kann man als Wurzel oder Anfang des Kleingartenwesens bezeichnen, wobei vermerkt werden kann, dass bereits zehn Jahre früher, (1977) bezogen auf diesen Brief, Gartenland parzelliert und an Bürger vergeben wurde. Seit dieser Zeit (also 1777) können wir von Kleingärten sprechen.

Die eigentliche Entwicklung erfolgte im 19. Jahrhundert durch den gewaltigen Aufschwung in der Industrie. Die städtischen Fabriken mit ihrer maschinellen Großproduktion wurden zum Horst der neuen Produktionsweise. Der Fortschritt, verbunden mit dem gesellschaftlichen Umbruch, war rasant. Die Folge war, dass viele Landbewohner in die Städte strömten und ihren Lebensunter- halt in den Fabriken verdienten. Gleichzeitig veränderte sich der Charakter der Arbeit. Zwar wurde sie mitunter leichter aber dafür auch eintöniger.

Auch die Städte veränderten ihr Gesicht. Mittlere Städte mit weitgehend ländlichem Charakter verwandelten sich in Großstädte, deren Gesicht von Mietskasernen geprägt war. Vor diesem Hintergrund der Industrialisierung und Urbanisierung bildeten sich die Ursprünge der Kleingartenbewegung heraus. Sie waren   außerordentlich vielfältig und von unterschiedlichen geistigen   Strömungen bestimmt.

Es herrscht Übereinstimmung darüber, dass die   Kleingartenbewegung zwei entscheidende Antriebe hatte, die   vielfach unabhängig voneinander entstanden, sich aber in der   Folgezeit gegenseitig durchdrangen. Der erste Antrieb war das Streben nach Verbesserung der Ernährung und die   Sehnsucht nach dem verlorenem Leben auf dem Lande, nach Arbeit in der freien Natur. Der zweite Antrieb   resultierte aus den neuen Lebensbedingungen in der Großstadt mit ihren oft verheerenden Auswirkungen   auf die Gesundheit und die Erziehung der Kinder und Jugendlichen.   Sowohl die einen als auch die anderen benötigten Land. Oft waren große Anstrengungen nötig, um es kaufen   oder wenigstens pachten zu können. Das Kleingartenwesen in Deutschland hat demzufolge mehrere Ursprünge.   1864 schlug in Leipzig die Stunde Schreberbewegung, die einen Siegeszug in allen deutschen Landen antrat.

Parallel dazu entwickelten sich die Naturheilkundevereine, die sich vorrangig zu Prießnitz bekannten und über die fünf Säulen der Naturheilkunde Licht, Luft, Wasser, Bewegung und Ernährung und deren Wirkung auf den Menschen lehrten und entsprechende Anlagen errichteten.
Beide Strömungen waren auch die Grundlage für das Kleingartenwesen in Thüringen. Der erste Naturheil- verein wurde 1887 in Sonneberg gegründet, der erste Schreberverein 1887 in Altenburg. In den Folgejahren gründeten sich jährlich neue Vereine. Bereits 1910 gab es in Thüringen 24 Vereine und 1931 79 Vereine mit 15000 Mitgliedern.

Wie diese Entwicklungstendenz zeigt, hatte das Klein- gartenwesen einen starken Aufschwung. Bereits zu diesem Zeitpunkt erkannten die Vereine, dass ein Zusammenschluss zu Kreis- bzw. Provinzverbänden zwingend notwendig war, um die Forderungen und Belange der Kleingartenbewegung gegenüber dem Staat als eine starke Organisation durchzusetzen.
In Thüringen war dieses Vorhaben besonders schwierig, denn es gab zu diesem Zeitpunkt keine politische Einheit Thüringens, sondern acht thüringische Kleinstaa- ten. Erst am 1.Mai 1920 vereinigten sich die sieben Thüringer Kleinstaaten ohne dem preußischen Regierungsbezirk Erfurt und dem preußischen Kreis Schmalkalden zu einem Land Thüringen. Deshalb war es auch nicht möglich, zu dieser Zeit einen Landesverband zu gründen.

Am 14. November 1907 wurde in Leipzig der Verband der Garten- und Schrebervereine, zugleich Landesverband für Sachsen, Thüringen und Anhalt gegründet. Dieser Verband ist der Vorläufer des heutigen Landes- verbandes Thüringen. Mitglied war der preußische Regierungsbezirk Erfurt.
Nach heftiger Diskussion trat dieser Landesverband 1921 dem in Bremen gegründetem Reichsbund der Kleingartenvereine Deutschlands bei. Damit war eine starke Organisation auf nationaler Ebene entstanden, die in den folgenden Monaten von oben nach unten ihre Verbandstrukturen ausbaute.

Am 11. Juni 1922 wurden auf Einladung des Reischsverbandes der Kleingartenvereine Deutschlands die Thüringer Kleingärtner zu einem Kleingärtnertag nach Erfurt eingeladen. Das war die Geburtsstunde des Landesverbandes Thüringen. Als Vorsitzender wurde Herr Alfred Schmiedel aus Gera gewählt und als Sitz Gera beschlossen.

Ab diesem Zeitpunkt gab es in Thüringen zwei Verbände; den Regierungsverband Erfurt im Landesverband Sachsen und den Landesverband Thüringen der Klein- gärtner. Dies sollte auch bis 1945/46 so bleiben, denn erst zu diesem Zeitpunkt erfolgte der Zusammenschluss vom Land Thüringen, dem Regierungsbezirk Erfurt und dem Kreis Schmalkalden zum Freistaat Thüringen.

Im Zuge der Gleichschaltung wurden 1933 der sächsi- sche Landesverband als Landesgruppe Sachsen und der Thüringer Landesverband als Landesgruppe Thü- ringen mit einer nationalsozialistisch orientierten Füh- rung in den Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsied- ler ohne – Wenn und Aber – überführt.
Nach 1945 wurden unterschiedlich in der sowjetischen Besatzungszone die vor 1933 bestehenden Landesver- bände durch SMAD Befehl wiedergegründet. In einem Bericht des späteren Landesverbandsvorsitzenden Thüringens heißt es: “1945 begann die schwere Arbeit des Neuaufbaus”.

Im Mai 1945 fand die erste Landesversammlung der Thüringer Organisation statt, wo die Gründung des Landesverbandes der Kleingärtner und Kleinsiedler Thüringens e.V. erfolgte. Als Vorsitzender wurde Herr Sieber gewählt. Sitz der Geschäftsstelle war Weimar. Leider hatte dieser Landesverband keine lange Lebensdauer. Bereits am 30. Mai 1947 genehmigte die SMAD die Bildung der Vereinigung der Kleingartenhilfe. Damit war das Ende des Landesverbandes beschlossen.
Mit Gründung der DDR 1949 wurde zunächst die Kleingartenhilfe dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) unterstellt. Ab 1954 erfolgte die Umwandlung in Kreisverbände der Kleingärtner, Siedler und Kleintier- züchter, die den Räten der Kreise unterstanden. Die für 1953 vorgesehene Gründung eines zentralen Verbandes kam aus politischen Gründen nicht zustande. Der 1959 gegründete VKSK, dessen Führung die Politik der SED in Bezug auf das Kleingartenwesen durchzusetzen bestrebt war, übernahm die 1952 eingeführte staatliche Bezirksstruktur. Deshalb vollzog sich die Entwicklung des Kleingartenwesens in Thüringen in den Bezirken, Gera, Erfurt und Suhl.

Erst am 30. Juni 1990 konnte sich ein einheitlicher Verband aller Thüringer Kleingärtner, der Landesverband Thüringen der Gartenfreunde e.V., auf demokratischer Grundlage wieder gründen. Er fühlt sich in den Traditionen der 1907 bzw. 1922 gegründeten Verbände verbunden. Heute umfasst der Thüringer Landesverband 28 eigenständige territoriale oder regionale Verbände mit 1.469 Vereinen und 64.936 Mitgliedern.